Pressemitteilung: „Ohne Ehrenamt geht es nicht“

Dr. Rudolf Neumaier (v.l.), Gabi Schmidt und Dr. Olaf Heinrich haben sich darüber ausgetauscht, wie das Ehrenamt gestärkt und sichtbarer gemacht werden kann – insbesondere in der Heimatpflege.

Gemeinsam für mehr Sichtbarkeit – insbesondere der heimatprägenden Kultur

Ehrenamt muss sichtbarer werden – insbesondere im heimatprägenden Bereich, sind sich Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, die Ehrenamtsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung Gabi Schmidt und Dr. Rudolf Neumaier, Geschäftsführer des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege e. V., einig. Gemeinsam thematisierten sie, wie das bürgerschaftliche Engagement weiter gestärkt werden kann, denn: Ehrenamt ist weit mehr als die Ehrenamtskarte.

„Es gibt viel Ehrenamt im Freistaat“, so Dr. Heinrich. Wie die Feuerwehr, die mit ihren hunderttausenden Ehrenamtlichen in zahlreichen Orten Bayerns vieles über den Brandschutz hinaus leistet. „Oft ist die Feuerwehr der letzte Verein, in dem Jugendarbeit stattfindet und der Veranstaltungen organisiert.“ Und mancherorts sei sie sogar der Kit für einen Ort. Der Verein, der die Menschen zusammenbringt, die Dorfgeschichte aufarbeitet oder kirchliche Veranstaltungen trägt. „Ohne Ehrenamt geht es nicht.“ Doch nicht jedes Ehrenamt ist so sichtbar, wie das der Feuerwehr. „Aktuell läuft vieles, was die Menschen in ganz Bayern leisten, unter dem Radar“, so Dr. Heinrich.

Außenwirkung der heimatprägenden Kultur stärken

Ein Eindruck, den die Ehrenamtsbeauftragte teilt: „Wir müssen insbesondere auch an die heimatprägende Kultur denken und deren Außenwirkung stärken.“ Dieser Bereich sei mit am allerwenigsten sichtbar. So gebe es beispielsweise kein Verzeichnis derer, die neben Heimatpflegern die Heimat bewahren – wie diejenigen, die ein Buch über die Historie eines Ortes schreiben oder diejenigen, die dieses gesammelte Wissen bündeln und in die Breite bringen. „Heimat ist in Bayern überall enthalten – und das wird manchmal unterschätzt, insbesondere die Kultur im ländlichen Raum.“ Das nimmt auch der Bezirkstagspräsident so wahr: „Welche Galerie lässt sich mit Hauptamtlichen allein betreiben? Welche Kulturveranstaltungen? Welche Konzertwochen?“ Im Bezirk Niederbayern werden beispielsweise etwa 80 Prozent der knapp 140 Museen ehrenamtlich geführt.

Für mehr Sichtbarkeit hofft Dr. Neumaier auch auf die Unterstützung der öffentlich-rechtlichen Medien in Bayern: „Ich glaube, wir können auf allen Kanälen wahnsinnig viel für das Ehrenamt tun. Aber nicht, um seiner selbst willen, sondern um seiner Inhalte willen.“ Denn: „Ich bin nicht Ehrenamtlicher, damit ich im Mittelpunkt stehe und der Held bin. Ich will, dass meine Idee weiterverkauft wird und ich ernstgenommen werde.“ Das müsse in den Medien offensiver, aber insbesondere angemessen dargestellt werden.

Als sichtbares Zeichen der Anerkennung bürgerschaftlichen Engagements haben bereits über 200.000 Bürgerinnen und Bürger die bayerische Ehrenamtskarte erhalten. Sie bekommen bei zahlreichen öffentlichen und privaten Anbietern Vergünstigungen. So beispielsweise auch in den Freilichtmuseen Massing und Finsterau oder den fünf Thermen der Niederbayerischen Thermengemeinschaft, an deren Zweckverbänden der Bezirk Niederbayern mehrheitlich beteiligt ist.

Ideen und Ansätze für mehr Sichtbarkeit

Für den Bereich der Heimatpflege sieht Dr. Neumaier in der Ehrenamtskarte eine große Chance: „Wir müssen die Karte und ihre Vorteile unserer Klientel stärker ins Bewusstsein rufen. Und erklären, unter welchen Voraussetzungen man sie bekommen kann.“ Zudem müsse man überlegen, was die Heimatpfleger bzw. der Landesverein für Heimatpflege Inhabern von Ehrenamtskarten Gutes tun könne.

Doch die Ehrenamtskarte ist nicht für jeden zugänglich, der Ehrenamt leistet – weil teils die Zugangsvoraussetzung nicht erfüllt sind, weiß Gabi Schmidt und will hier ansetzen. Ihre Idee: Eine „Willkommenskarte“ im Ehrenamt für Jugendliche, die sich seit mindestens einem Jahr engagieren bzw. die Ehrenkarte auf Empfehlung des Verbands für diejenigen, die sich seit mindestens fünf Jahren engagieren, aber nicht auf die erforderliche Stundenzahl kommen.

Ein weiterer Ansatz der Ehrenamtsbeauftragten: Die Heimatpflege in den Gemeinde- bzw. Stadträten verankern. Eine Idee, die auch Dr. Heinrich und Dr. Neumaier charmant finden. Wenn es einen Jugend- und einen Städtepartnerschaftsbeauftragten vor Ort gebe, könne man durchaus einen Beauftragten für Heimatpflege in den Gremien ansiedeln. Wichtig sei auch die enge Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Jugendbeauftragten, um den Nachwuchs zu erreichen.

„Ehrenamt lebt von den guten Beispielen, die Lust auf Nachahmung machen“, betont Dr. Heinrich. Es wäre der falsche Weg, die Menschen mit erhobenem Zeigefinger zu bürgerschaftlichem Engagement zu bewegen. „Es braucht schöne Erlebnisse – wie beispielsweise das Pfingstvogelsingen im Bayerischen Wald. Das sind Erlebnisse, die nicht daheim, sondern in der Gemeinschaft existieren. Man ist dabei, weil es schön ist, man gemeinsam etwas erreicht und Zusammenhalt erlebt.“

 

Bildunterschrift: Dr. Rudolf Neumaier (v.l.), Gabi Schmidt und Dr. Olaf Heinrich haben sich darüber ausgetauscht, wie das Ehrenamt gestärkt und sichtbarer gemacht werden kann – insbesondere in der Heimatpflege.

Foto: Bezirk Niederbayern/Roider

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