Karten auf den Tisch – Interview mit Landrat Stefan Löwl

Landrat Stefan Löwl im Porträt. Hinter ihm aufgefächerte Schafkopf-Karten

Schafkopf verbindet. Der Dachauer Landrat Stefan Löwl kartelt regelmäßig mit Freunden und Kollegen aus der Kommunalpolitik. Das schaffe Vertrauen über Parteigrenzen hinweg, sagt er. Landrat Löwl kam mit der Idee, „Schafkopffreundliche Wirtshäuser“ auszuzeichnen, auf den Landesverein zu. Damit wollen wir von jetzt an Gasthäuser in Bayern sichtbar machen, in denen Kartenspieler immer willkommen sind. Was Schafkopf zur Wirtshauskultur beiträgt und was eine Karten-Runde mit Politik zu tun hat, erfahren Sie in unserem Interview.

 

Herr Löwl, wo haben Sie Schafkopf gelernt?

Gelernt habe ich es bei der Bundeswehr und dann fortgeführt im Jura-Studium in Augsburg. Ich komme aus dem Württembergischen, da spielt man Skat. In meiner Augsburger Zeit habe ich noch beides gespielt: Skat und Schafkopf. Seit ich in Dachau lebe, konzentriere ich mich auf Schafkopf.

Lernt man Schafkopf leichter,  wenn man Skat kann?

Sicher, man kennt die Kartenwerte. Aber es ist ein ganz anderes Spiel. Die Taktik unterscheidet sich völlig. Kürzlich wollte ich mit meinem Vater mal wieder Skat spielen – das war gar nicht so leicht.

Wie oft spielen Sie jetzt Schafkopf?

Etwa zweimal im Monat, mal mehr, mal weniger. Seit letztem Jahr spiele ich beim Ü50-Turnier der Caritas mit. Auch beim jährlichen Turnier des THW war ich immer dabei.
Außerdem kartle ich in einer politischen Runde. Dazu gehören zum Beispiel der Fürstenfeldbrucker Landrat Thomas Karmasin, aber auch mal ein Regierungspräsident und verschiedene Bürgermeister. Auch der ehemalige Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter hat immer wieder mitgespielt. Wir treffen uns vier- bis fünfmal im Jahr.

Da geht es aber um mehr als um Schafkopf, oder?

Ja, natürlich! Die Runde beschränkt sich weder auf die CSU noch auf den Landkreis Dachau. Man kann Dinge informell absprechen. So wächst Vertrauen – auch wenn man am Tisch gegeneinander spielt. Die Gesprächskultur ist eine ganz andere. Über den Kontakt zu Oberbürgermeister Reiter ist viel entstanden: zum Beispiel das gemeinsame Gymnasium Karlsfeld. Das verdanken wir vielleicht auch diesen Schafkopf-Runden. Der neue Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause sagte mir, dass er auch schafkopfen kann. Das muss ich bei Gelegenheit verifizieren.

Wie ist es in Ihrem Landratsamt? Wird da auch mal gekartelt?

Mittlerweile können jedenfalls sehr viele bei uns schafkopfen. Wir haben im Landratsamt auch schon einen Schafkopfkurs organisiert, speziell für Kolleginnen. Seitdem spielen auch deutlich mehr Kolleginnen bei unserem jährlichen internen Schafkopfrennen mit. Sie haben die Grundlagen gelernt, regelmäßig geübt und nehmen an Turnieren teil. Im Wahlkampf habe ich außerdem einen Kurs für 28 Mitglieder der Frauen-Union veranstaltet. Und seit einigen Jahren organisiere ich gemeinsam mit der Bayerischen Gemeindezeitung und dem Präsidenten des Bayerischen Landkreistages Thomas Karmasin sowie dem Münchner OB ein Benefiz Schafkopfturnier, dieses Jahr am 21. November in Odelzhausen: Schafkopffreundliches Wirtshaus.

Was macht für Sie die Faszination dieses Spiels aus?

Vor allem zwei Dinge: Zum einen bringt es beliebig viele Menschen zusammen. Zwar sitzen immer nur vier Personen an einem Tisch, aber im Raum können vier, acht, sechzehn oder noch mehr Kartler spielen. Das Potenzial ist riesig. Zum anderen bringt Schafkopf die Leute ins Gespräch. Man redet über Gott und die Welt und kartelt nebenher. Das Spiel verlangt keine ununterbrochene Hochkonzentration. Man kann gleichzeitig essen, trinken und Wichtiges besprechen.

Wie ist Ihre Idee zum „Schafkopffreundlichen Wirtshaus“ entstanden?

Ich gehe selbst gern ins Wirtshaus und kartle dort. Ich habe hin und wieder mitbekommen, dass man die Kartler nicht mehr haben möchte. Das muss natürlich jeder Wirt selbst entscheiden, welche Klientel er ansprechen will. Das will ich auch keinem vorgeben. Aber wenn im Gasthaus in der Ecke ein, zwei Tische karteln, gehört das, finde ich, zu Bayern unbedingt dazu. Wer diese Tradition pflegt, soll sich auch zeigen dürfen. Als ich mit Frau Dr. Unger-Richter, unserer Kreisheimatpflegerin, über diese Idee redete, wies sie mich auf das „Musikantenfreundliche Wirtshaus“ beim Landesverein hin. Da waren wir dann schnell beieinander.

Damit rennen Sie bei uns offene Türen ein. Wie lässt sich das Wirtshaussterben stoppen oder das Wirtshaus gar wiederbeleben?

Der Wirtshausbesuch muss besonders für junge Leute attraktiver werden. Das hängt sicherlich auch mit den Preisen zusammen. Man muss sich so einen Wirtshausabend leisten können, das darf kein Luxus sein. Einen kleinen Beitrag kann vielleicht auch das Schafkopfen leisten. Wenn ein paar Ausflügler, sagen wir vier Motorradfahrer, unsere Plakette an der Tür sehen, kehren sie vielleicht spontan für eine Stunde Schafkopf ein. Wer eine Gaststätte vom Karteln kennt, der geht vielleicht für eine Familienfeier oder am Sonntag zum Essen hin. Und die Wirte, die mitmachen, profitieren davon, dass sie auf einer Homepage des Landesvereins sichtbar werden und gefunden werden können, wenn Kartler eine passende Gaststätte suchen.

Interview: Pierre Borsdorf, Rudolf Neumaier

 

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