Pressemitteilung: Landesverein für Heimatpflege fordert Debatte über geplante Ausweichspielstätte in Nürnberg

Opern in einer Nazi-Ruine?

Landesverein für Heimatpflege fordert Debatte über geplante Ausweichspielstätte in Nürnberg

Ein Opern-Provisorium an der Nürnberger NS-Kongresshalle?
Der Bayerische Landesverein für Heimatpflege spricht sich für eine intensive Diskussion aus, ehe die Stadt Nürnberg solche Pläne verwirklicht. „Es handelt sich um eine Gedenkstätte, die zwar kein Tatort ist, aber ein Täterort. Sie ist somit keine Immobilie wie andere Altbauten, bei denen eine Um- oder Weiternutzung ja in der Regel wünschenswert ist“, sagt Prof. Dr. Günter Dippold, der stellvertretende Vorsitzende des Landesvereins. „Der Torso ist ein Zeugnis des nationalsozialistischen Größenwahns, aber auch ein Zeugnis des gescheiterten Größenwahns. Bevor man auf dieser Nazi-Jubelstätte Opern spielt, muss man eine ausführliche Debatte darüber führen, ob und wie das überhaupt diesem geschichtlichen und örtlichen Kontext angemessen ist.“
Dippold sagt, er lehne solche Pläne keineswegs von vornherein ab. Er könne sich jedoch schwerlich vorstellen, dass man hier zum Beispiel Werke des antisemitischen Opern-Komponisten Hans Pfitzner oder Richard Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ aufführen könne, deren Ouvertüre den Nationalsozialisten als Aufmarschmusik diente.

„Auch wenn für die Stadt Nürnberg die Zeit drängt, ist dieser Gedenkort viel zu bedeutend, als dass man eine Debatte über das Vorhaben abwürgen dürfte, ehe sie in Gang gekommen ist“, sagt Dr. Rudolf Neumaier, Geschäftsführer beim Bayerischen Landesverein für Heimatpflege. Zu beteiligen seien neben der Lokalpolitik auch Personen aus der zeitgeschichtlichen Forschung ebenso wie von Bühnenverbänden sowie Künstlerinnen und Künstler. „Wenn dann als Ergebnis herauskommt, dass der Innenraum der NS-Kongresshalle geeignet sein könnte, wird diese Diskussion wichtige Aspekte und Beiträge für die Realisierung geliefert haben. Viel muss vorher bedacht und durchdiskutiert werden, ehe es hinterher zu heiklen Irritationen kommt. Wir haben eine Verantwortung für solche Gedenkstätten. Wo wir ihr nicht gerecht werden, machen wir uns angreifbar. Daher verbietet sich ein Schnellschuss.“

Der Landesverein ist laut Neumaier bereit, eine Debatte, etwa in Form einer Podiumsdiskussion, zu moderieren.

 

Hintergrund

Der Bayerische Landesverein für Heimatpflege e.V. kümmert sich seit seiner Gründung im Jahr 1902 um Landeskultur, um Heimat-, Denkmal- und Baupflege, Volksmusik, Bräuche, Trachten und Mundart in Bayern.

 

Ansprechpartnerin

Dr. Daniela Sandner, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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