Veranstaltungshinweis: Die Situlischule – Vortrag und Führung mit dem Architekten Martin Rössler

Mit der 1951–1953 entstandenen Situlischule schufen Johannes Ludwig und Franz Ruf eine der ersten konsequent modernen Schulen nach dem Zweiten Weltkrieg in München. Erstmals nach 1945 wurde in München ein Architekturwettbewerb für einen Schulneubau veranstaltet. Der mit dem 1. Preis ausgezeichnete Entwurf war das fruchtbare Resultat einer Beschäftigung mit dem zeitgenössischen Schulbau in Skandinavien, den Johannes Ludwig und Franz Ruf zuvor bei einer gemeinsamen Exkursion nach Schweden studiert hatten und der sie nachhaltig beeindruckte.

Der architektonische „Blick über den Zaun“ in den Norden, wo es keinen Bruch in der Architekturmoderne gegeben hatte, ist an der Situlischule in vielfältiger Weise ablesbar. Die in den 20er Jahren entwickelte Typologie der Pavillonschule wurde durch die Gliederung in mehrere Baukörper umgesetzt. Eine gute Belichtung und Belüftung der Räume durch große Fenster und Oberlichter wird durch einen starken Bezug zum Freiraum ergänzt.

Die Außenanlagen schuf der renommierte Landschaftsarchitekt Alfred Reich, der typische Elemente seiner Gestaltung wie die Wege und Mäuerchen aus Tonziegeln und die sogenannte „Reich´sche Säge“, ein wellenförmiges Beet, umsetzte. Das Konzept der Gartenanlagen hatte die Karl Foerster-Schülerin und Autorin Beate Hahn in einem partizipativen Ansatz mit den Schülern entwickelt. Auf Anregung des Rektors Kurt Seelmann beteiligten sich die Kinder als Teil der Pädagogik auch intensiv an Anlage und Pflege der Gärten, um so die Natur kennenzulernen.

Für die Kunst am Bau wurden namhafte Künstler wie Karl Knappe und Karl Nerud herangezogen, die nach ihrer Unterdrückung durch das NS-Regime hier zeitgenössische, abstrakte Kunstwerke schufen. Die Situlischule steht beispielhaft für ein neues, demokratisches Modell von Schule, entworfen zur Erziehung der Jugend nach Diktatur und Krieg, in einer offenen und ungezwungenen Lernatmosphäre. In der Fachwelt beachtet und publiziert, wurde dieSchule zu einem Vorzeigeprojekt der Stadt München.

Eine Veranstaltung der Hans-Döllgast-Hausfreunde in Zusammenarbeit mit der Mittelschule Situlistraße und der Deutsch-Schwedischen Vereinigung e.V. Die Hans-Döllgast-Hausfreund sind langjährige Kooperationspartner des Landesvereins für Heimatpflege.

Freitag, 21. Oktober 2022 um 15 Uhr
Mittelschule Situlistraße, Aula
Situlistr. 87, 80939 München

Im Anschluss bayrisch-schwedischer Imbiss.

Referenten:

Armin Sochor, Rektor,  Roland Opschondek, HDH, Prof. Michael Gaenßler, Frank Senftleben, DSV

Flyer_Vortrag_und_Führung_in_der_Situlischule

 

THEMENBEREICHE
AKTUELLES

Das könnte Sie auch interessieren:

Ein Bagger bricht ein altes drestöckiges Haus aus Backstien ab.

Pressemitteilung: Landesverein stellt auch für 2025 wieder „Abriss des Jahres“ zur Wahl

Historische Gasthöfe, Wohnhäuser oder Kirchen vergangener Jahrzehnte: Auch im Jahr 2025 macht der Bayerische Landesverein für Heimatpflege mit seiner Aktion „Abriss des Jahres“ auf den fortschreitenden Verlust von Baukultur in Bayern aufmerksam. Zwölf besonders bedauerliche Abrissfälle, die stellvertretend für diese Entwicklung stehen, wurden ausgewählt und stehen wieder zur öffentlichen Abstimmung.

weiterlesen »

Stellenausschreibung: (Digitale) Öffentlichkeitsarbeit: Denkmal-Vermittlung, 40%, TVöD E11 Stufe 1 (VKA)

Die ausgeschriebene Stelle verfolgt das Ziel, baukulturelles Erbe und Denkmalpflege für unterschiedliche Zielgruppen anschaulich, zugänglich und erlebbar zu machen. Dabei sollen neue digitale Vermittlungsformate und Kommunikationsstrategien entwickelt werden, um das Bewusstsein für Baukultur und Denkmalpflege zu stärken und neue Zielgruppen zu gewinnen. Bewerbungsfrist: 31.01.2026.

weiterlesen »
Dieter Klein sitzt an einem Tisch mit ausgelegten Gebäude-"Abriss"-Kalendern.

„Es ist ziemlich leicht, etwas zu verschlimmbessern“ – Gespräch mit Dr. Dieter Klein

Der Kunsthistoriker Dr. Dieter Klein dokumentiert mit seinen „Abreißkalendern“ für Wien und München seit über 40 Jahren massive Eingriffe ins Stadtbild. Auch mit Führungen und Vorträgen sensibilisiert der Jugendstil-Experte  für den Denkmalschutz. Im Januar prämiert der Bayerische Landesverein für Heimatpflege wieder den „Abriss des Jahres“ – eine Aktion, die Dieter Klein überaus wichtig findet, wie er im Gespräch mit dem Landesverein betont.

weiterlesen »
WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner